Teil 2: Picky Eater, mäkelige Esser, konkrete Tipps für Familien!

Aktualisiert: März 27

Kinder können so unterschiedlich in ihrem Essverhalten sein. Das Essverhalten kann sich phasenweise auch völlig ändern. Mäkelige Phasen zwischendurch sind völlig normal und legitim. Manche Kinder lassen uns besorgt werden- nämlich wenn sie über sehr lange Zeit oder dauerhaft sehr viele Lebensmittel ablehnen und nur ganz bestimmte beliebte Nahrungsmittel essen, wie bpsw. Nudeln nur mit Öl oder Ketchup oder Toastbrot mit Marmelade.


In Teil 1 habe ich bereits von meinen persönlichen Erfahrungen berichtet. Meine beiden Töchter sind komplett unterschiedlich in ihrem Essverhalten obwohl sie fast 1:1 die selben Vorraussetzungen bekommen haben. Ich habe also eine kleine "picky eaterin", welche ebenso die Beikost verweigert hat. Wir haben unseren Weg gefunden. Ich möchte Dich teilhaben lassen an meinen persönlichen Erfahrungen und auch an dem was ich Dir als Ernährungsberaterin mit auf den Weg geben kann. Ich hoffe, Du kannst Dir einiges davon mitnehmen!





Vorweg einmal auf emotionaler Ebene für Dich als Mama oder Papa:

nimm den Druck raus. Lasse eventuell vorhandene Schuldgefühle oder Versagensängste diesbezüglich gehen. Atme tief durch und nehme Dein Kind so an wie es ist. Kaum ein Mensch bleibt ein Leben lang ein extremer picky eater und Du kannst an der aktuellen Situation prinzipiell sowieso nichts ändern.


Teile Deine Sorgen mit anderen die ähnliche Herausforderungen haben, Menschen die Dir wertschätzend und mitfühlend begegnen. Was es in solchen Phasen nicht braucht sind Menschen die es "besser wissen" und Dich mit Ratschlägen überhäufen oder Dir zuletzt noch Vorwürfe machen. Du brauchst hier wirklich jemanden, der Dir auf Augenhöhe begegnet und wertschätzend zuhören kann. Wir Mamas und Papas brauchen doch oftmals eher ein "Du schaffst das", eine feste Umarmung oder ein aufmunterndes Lächeln anstatt noch weiter berieselt zu werden.


Versuche mit der Zeit entspannt zu werden, Dein Kind nicht zu drängen sondern einfach nur zu beobachten. Hole Dir jede Unterstützung die Du bekommen kannst und die Dir gut tut (Beikostberatung, Ernährungsberatung, Familienberatung, neue Rezeptideen, Entspannungsmethoden, usw.)


Es ist völlig klar, dass Du teilweise besorgt und genervt bist. Oft kochen wir nämlich völlig umsonst leckere Dinge, die dann gar nicht gegessen werden. Manchmal ist es wirklich zum Verzweifeln.





Praktische Alltagstipps:

- Gemeinsame Familienmahlzeiten gestalten. Denn Kinder ahmen nach, auch wenn der Weg zäh und lang sein kann. Aber die eigene Vorbildfunktion ist nicht zu unterschätzen. Übrigens fördern gemeinsame Mahlzeiten auch nachweislich die Sprachentwicklung von Kindern. Du kannst hier also gleich zwei positive Dinge bewirken. Wenn Du alleine lebst oder viel Zeit alleine mit Deinem Kind verbringst, kannst Du Dich auch zum Essen verabreden oder Menschen zum gemeinsamen Essen bei dir Zuhause einladen. Aber nur wenn Dich das nicht zusätzlich stresst :-)


- Deine eigene Vorbildfunktion fokussieren: was und wie isst Du? Kinder beobachten uns. Ernähre dich so gesund und vollwertig wie möglich, wechsle regelmäßig zwischen verschiedenen Lebensmitteln.


- Kein Zwang am Esstisch. Kein Aufessen müssen verlangen. Viel verschiedenes Essen anbieten, abwechslungsreich und bunt. Immer wieder Neues integrieren und ausprobieren aber völlig ohne Zwang es essen zu müssen.


-Kinder mögen oft gerne süß. Hier kannst du gesunde, vollwertige selbstgemachte Snacks zum Naschen anbieten: z.B. Schoko Smoothie, Beeren Smoothie, Bananen Shake, Energiekugeln, Haferflockenmuffins, Datteln, selbstgemachte Müsliriegel, usw. Manchmal braucht es Geduld, aber es lohnt sich. Wichtig ist es, erst gar nicht mit industriell hergestellten Süßigkeiten und Snacks anzufangen die mit weißem raffinierten Zucker (oder anderen Zuckerarten) gesüßt sind. Sonst wird es schwer Dein Kind davon wieder wegzubekommen. Aber wenn das bereits so ist, mache Dir keine Sorgen: es wird ein Weilchen dauern, aber der Geschmack wird sich auch hier mit der Zeit wieder umstellen.


-Dein Kind beobachten. Was wird generell gerne gegessen? Wo kann ich tricksen und zusätzliche Nährstoffe/Zutaten verstecken ohne, dass es bemerkt wird? Bei selbstgebackenem Brot, Kuchen, Pfannkuchen, Soßen, Aufstrichen, Crackern und Smoothies lässt sich einiges verstecken. Auch Marmelade lässt sich gesund und zuckerfrei herstellen. Als Bsp.: meine Tochter isst gerne Tomatensoße. Mir rein kommen bei mir da oft Paprika, Karotte und Cashewkerne- das ganze wird cremig püriert und es ist nichts mehr davon zu sehen. Außerdem backe ich oft Schokoladenkuchen welcher dann mit Banane gesüßt ist. Hinein kommen außerdem Nüsse, Sesammus und Leinsamen. Hinterher sieht und schmeckt man das nicht mehr raus.


-Beziehe Dein Kind mit ein beim Zubereiten der Mahlzeiten . Das ist mein liebster Tipp! Die Kleinen können dafür auf der Arbeitsplatte sitzen, in einem Lernturm oder auf einem Hocker stehen und schon viele kleine Arbeiten wie Rühren oder Umfüllen übernehmen. Das erste was meine Tochter gemacht hat war, verschiedene geschnittene Lebensmittel in die Töpfe zu geben. Dabei kommen Kinder mit vielen verschiedenen Lebensmitteln in Berührung. Sie werden neugierig und möchten nicht selten einiges davon probieren. Meine Erfahrung ist: hier wird mehr gegessen als wenn es als ganze Mahlzeit auf dem Tisch steht. Ältere Kinder haben vielleicht schon Lust (mehr oder weniger) eine Mahlzeit alleine zu kreieren oder zuzubereiten.


-Stelle hübsch angerichtete Rohkost- und Obstteller zur Verfügung. Lasse den Kind zwischendurch essen wenn es möchte, nicht nur zu festen Mahlzeiten am Tisch. Auch beim Spielen, Malen oder Spazierengehen darf gesnackt werden.


-Ernährungstagebuch führen: schreibe für mindestens 14 Tage genau auf was Dein Kind trinkt und isst. Oft kommt da mehr an Lebensmitteln zusammen als man vorher denkt. Das kann Dich als Mama unglaublich beruhigen. Du bekommst so einen Überblick was Dein Kind so an Nährstoffen bekommt. Dieses Tagebuch lässt sich auch gut in einer Ernährungsberatung analysieren und anschließend optimieren. Schreibe mich bei Bedarf hierfür gerne an.


-Hole Dir fachliche Unterstützung von einem Ernährungsberater, bei dem Du Dich wohlfühlst. Dort kann alles individuell besprochen und ausgewertet werden. Du bekommst Rezepte, Tipps, Tricks und Wege an die Hand wie Du so manche Mahlzeit noch nährstoffreicher machen kannst.


-Nutze die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt zur Kontrolle einer optimalen gesunden Entwicklung Deines Kindes.



Rezeptideen für Picky Eater:


Pürierte Suppen und Soßen in denen viel Gemüse versteckt werden kann

Bratlinge und Burger Patties, darin können Gemüse und Hülsenfrüchte versteckt werden

Selbstgebackenes Brot, Kuchen, Muffins Brötchen, Kekse, Riegel, Cracker

Selbstgemachte Aufstriche und Dips, integriere darin Bohnen, Linsen, Tofu, usw.

Energiekugeln mit Kakao und Schokoladensmoothie

Pinker Beerensmoothie (dort kannst du rote Bete verstecken)

Grüner "Hexen oder Dino"- Smoothie

Schokoladen Porridge

Schokoladen Hirsebrei





Kleiner Alltags Tipp: Um Mahlzeiten mit noch mehr Nährstoffen anzureichern kannst Du z.B. grüne Smoothiepulver in Bio Qualität nutzen. Diese können in Smoothies aller Art hinzugefügt werden, aber auch im Schokoladenporridge oder in den Energiekugeln bleibt es unbemerkt.