Teil 1: Mäkelige Esser am Familientisch - was tun? Meine persönlichen Erfahrungen

Aktualisiert: März 27




Mäkelige Esser: gibt es das überhaupt?


Stichwort- mäkelige Esser. Dazu habe ich mich kürzlich mit einer lieben Freundin ausgetauscht. Wir mögen den Begriff beide nicht. Ich verwende ihn ungern und nur, weil dann jeder gleich weiß wovon ich spreche. Aber gerecht wird er den Kindern nicht.


Ich selbst habe eine eigene Geschichte mit dem Thema. Meine Große war ein „vorbildlicher“ Esser. Es gab keine Herausforderungen diesbezüglich. Damals schloss ich noch daraus eben alles richtig gemacht zu haben. Blödsinn! Nummer zwei belehrte mich nämlich eines Besseren. Obwohl ich mir nicht weniger Mühe gegeben habe. Ich habe sie beobachtet und auf Zeichen gewartet. Dann mit etwa 6/7 Monaten vorsichtig angefangen. Sie hatte kein Interesse. Kein Brei. Weder selbst gekocht noch gekauft. Alle Gemüse- und schließlich auch Obstsorten habe ich ausprobiert. Da ging nichts. Baby Led Weaning? Pustekuchen! Sie hat es verweigert. Den Mund nicht aufgemacht. Mir alles aus der Hand geschlagen. Geschrien. Essen gegriffen und gefühlt aber nichts davon landete im Mund oder gar im Bauch. Also gut, dachte ich mir. Wir haben ja noch Zeit. Wochen und Monate vergingen. Aber es veränderte sich nicht wirklich. Obwohl ich mir so viel Mühe gegeben habe.


Dabei waren die Möglichkeiten immer da. Denn wir essen als Familie alle gut und sehr gerne. Lebten und leben das dadurch also auch vor. Und es gab täglich gemeinsame Mahlzeiten zu viert am Familientisch. Ganz ehrlich: ich hatte alles versucht und immer mein Bestes gegeben. Aber es brauchte Geduld. Um den 1. Geburtstag herum fing sie dann plötzlich an sich ein wenig für unser Essen zu interessieren. Aber niemals auf dem eigenen Teller. Sondern direkt von unseren. Leicht gewürzt und so wie wir eben gegessen haben. Und so begann dann unser gemeinsamer Weg mit dem Essen in vielen kleinen Schritten. Am 1. Geburtstag mit Pizza😁


Meine kleine Tochter hat es mir nicht leicht gemacht was das Thema Essen angeht. Aber wie kommt das zustande? Im Endeffekt übertrage ja nur ich als Erwachsene bestimmte Erwartungen meinerseits (die ich wiederum als gegeben übernommen habe) an sie. Und fälle dann mein Urteil. In diesem Fall: mäkelig. Schlechter Esser. Brei verweigert. Beikost verweigert. Aber sie hat sich super gesund entwickelt. Ich habe einfach fröhlich und munter weiter VOLL gestillt und dafür gesorgt, dass ich so gesund und vollwertig wie möglich esse und genug Kraft dafür habe. Mutter Natur hat sich schließlich etwas dabei gedacht! Ich habe trotzdem weiter abwechslungsreiches Essen angeboten. Sie hat teilgenommen am Familienessen. Aber ich habe mit der Zeit akzeptiert, dass sie hier und da mal etwas kostet aber kein großes Interesse am Essen da ist. Mit 16 Monaten fing sie dann an mehr zu essen. Es hat wirklich gedauert und viel Geduld erfordert. Und die Auswahl war sehr klein. Und Obst ging gar nicht! Gemüse? Selten. Nur Kartoffeln gingen. Die liebt sie bis heute.





Jetzt sehe ich das sehr entspannt. Aber was habe ich gelitten! Mir Vorwürfe gemacht. Mich wie eine Versager Mutti gefühlt. Alle Kinder essen begeistert und hauen rein?- nur meines nicht. Ja und das Umfeld... das hat auch nicht gerade dazu beigetragen das es besser wurde. Sprücheklopfen hilft nämlich nicht! Jedes Familienessen (bzw. Essen auswärts mit Anderen) wurde innerlich zu einem großen Stress für mich. Weil ich wusste, dass es auffällt das sie kaum etwas isst und wenn überhaupt dann nur gewisse vertraute Dinge. Mir persönlich war das sehr unangenehm und ich musste es doch jedes mal aufs Neue erklären.


Ja, das Essverhalten meines Kindes hat nicht in die Norm gepasst die irgendjemand so vorgegeben hat. Letzteres ist natürlich nicht per se schlecht. Eine Orientierung ist gut und kann u.a. eine große Unterstützung für die Eltern sein. Aber das nicht heißt nicht, dass es nicht auch anders gehen kann. Individuell. In einem anderen Tempo. Und ohne Brei. Manche Kinder sind einfach anders und lassen sich dazu nicht motivieren. Und hier finde ich es ganz wichtig Familien da konkret und individuell (und einfühlsam!) zu unterstützen.


Ich kenne die herkömmliche Beikostberatung in und auswendig. Habe ich täglich über Jahre in meinem Beruf rauf und runter gebetet🙈 Hat aber bei unserer kleinen Tochter alles nicht funktioniert.


Meine Kleine mag mittlerweile einiges und wir haben unseren Weg gefunden. Es gibt Tage mit viel und Tage mit wenig Essen. Keine Norm, schon gar nicht was die Lebensmittel angeht. Und das ist völlig okay.


Wenn du auch so einen Esser Zuhause hast, egal in welchem Alter, dann fühlst du dich jetzt hoffentlich weniger allein♥️ Mache dir keine Vorwürfe. Lass dich nicht von deinem Umfeld unter Druck setzen. Setze dich selbst nicht unter Druck. Du als Mama oder Papa, ihr gebt euer Bestes. Ignoriere die unnötigen evtl. sogar ungerechten Kommentare dazu. Vielleicht hilft es dir auch zu wissen, dass viele so eine Situation selbst vielleicht überhaupt nicht kennen und deshalb nicht einordnen können. Außerdem ist dieses „Gute Esser“ Ding bei Kindern einfach schon seit Ewigkeiten in den Köpfen vieler Menschen verankert. Das Thema Essen ist genau wie das Thema Schlaf immer gefragt. Da wird oft nachgehakt und ich verstehe wie anstrengend das ist wenn die Antworten nicht den Erwartungen des Gegenübers entsprechen. Das Auszuhalten ist eine enorme Leistung. Was tut euch als Familie gut oder nicht gut? Manchmal hilft auch sich für kurze Zeit abzugrenzen. Wenn es dich stresst muss es nicht sein!


Bleib bei deinem Kind. Begleite es. Vertraue. Kinder holen sich in der Regel alles was sie brauchen. Hole dir ggf. die passende Unterstützung für dich. Was auch immer dir und euch da hilft. Kinder müssen nicht alle Lebensmittel mögen. Und nicht alles essen. Auch wenn sich Außenstehende vielleicht wundern, dass dein Kind keine Erdbeeren, Bananen oder Äpfel mag und das klassische Marmeladebrot verweigert. Kinder müssen auch nicht die Beikost wie aus dem Lehrbuch vormachen. Es darf auch länger dauern. Du hast immer die Möglichkeit weiter zusätzlich oder ausschließlich zu stillen (was übrigens auch eine offizielle Empfehlung ist, begleitend zur Beikost bis zum 2. Geburtstag) oder eine Flaschennahrung dazu zu geben. Denn Essen werden sie früher oder später alle! Es geht darum das Tempo des Kindes zu respektieren und den besten Weg für EUCH zu finden. Damit euer Familienfrieden nicht gestört wird und euer Kind auf seine Weise bestmöglich versorgt wird und zwar im Rahmen eurer Möglichkeiten und ohne das Kind zu traumatisieren. Hier gilt es einen guten gesunden Mittelweg zu finden.


Sorgen und Ängste kannst du jederzeit mit kompetenten Experten deines Vertrauens besprechen. Solange dein Kind sich gesund entwickelt ist alles in Ordnung. Auch ich stehe dir gerne mit all meinen Erfahrungen zur Seite.


Mehr Tipps und Anregungen für den Familienalltag mit „herausfordernden Essern“ bekommst du im nächsten Beitrag!


Möchtest du dich zu diesem Thema austauschen? Suchst du Eltern denen es ähnlich geht? Dann schreib mir, wir können uns alle miteinander verbinden :-)